"Just do it" - Ein Interview mit Starfotografin Gabo

Interview von Anja Woertge/modaffin vom 28.11.2008

Wie stellt man sich ein ehemaliges Model vor, das heute als Starfotografin arbeitet? Leicht überdreht, vielleicht überheblich mit ein bisschen "Schätzchen" hier und etwas "Honey" dort und dazu eine ordentliche Portion Glamour?

Wer das erwartet, wird erstaunt sein, wenn er die Fotografin Gabo kennenlernt. Sie wirkt bodenständig, gar nicht abgehoben, eher ausgeglichen. Wie jemand, der seinen Weg im Leben gefunden hat und deshalb gut und gerne auf jegliche überflüssige Allüren verzichten kann.

Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit, von ihrem Leben und davon, welche Rolle die Mode dabei für sie spielt.

 

Sie arbeiten nun seit 1985 als Fotografin. Was hat Sie zur Fotografie gebracht?
Da ich international als Model arbeitete, war der Weg nicht weit die Seiten zu wechseln.

Was interessiert bzw. fasziniert Sie an der Fotografie?
Ich lernte von den besten und von den schlechtesten Fotografen, wie man mit Licht umgeht. Es fasziniert, mich den Moment anzuhalten und Emotionen und Ausdrücke eines lebendigen Flusses des Gesichts einzufangen und durch Licht in Szene zu setzen.

Durch Ihre Veröffentlichung im Stern wurden Sie 1986 über Nacht bekannt. Wie haben Sie diesen plötzlichen Ruhm erlebt?
Ich war zu der Zeit junge Mutter und das hat mich sehr erfüllt. Dann noch mit einer Leidenschaft Geld zu verdienen, hat mein Glück perfekt gemacht.

Ihre Arbeit ist sehr vielseitig. Neben Mode- und Werbeaufnahmen haben Sie auch Fotoreportagen im Regenwald und Uganda geschossen. Was ist Ihnen an Ihrer Arbeit besonders wichtig?
Dass ich mich nicht verkaufe, möglichst hinter meinen Fotos stehe und den Menschen, die ich fotografiere, gerecht werde und sie nicht verrate. Ich möchte die Schokoladenseite aus ihnen herauskitzeln. Am Ende des Tages gute Bilder gemacht zu haben, die mir gefallen, das ist mein größter Erfolg.

Was inspiriert Sie zu Ihren Bildmotiven?
Ein Topteam mit netten Kollegen, gute Musik und eine schöne Location.

Haben Sie fotografische Vorbilder?
Nein, ich versuche mich nicht damit zu verwirren. Es gibt tolle Fotografen aller Richtungen. Jeder hat sein eigenes individuelles Auge. Ich will nicht sein "wie die", schätze sie aber sehr.

Sie werden sehr häufig mit Annie Leibowitz verglichen. Was halten Sie von diesem Vergleich?
Ich kann das nicht mehr hören, nur weil ich auch eine Fotografin (Frau) bin und die Stars einfange, heißt das noch lange nicht, ich bin wie sie. Es schmeichelt mir schon, denn sie macht tolle Bilder, doch mein Stil ist ein ganz anderer. Sie inszeniert viel mehr. Ich will nicht sein "wie", ich bin Gabo. Die Deutschen definieren sich immer über die Berühmten aus dem Ausland, anstelle eigenes Selbstvertrauen in ihre Leute zu haben.

Sie haben im Zuge Ihrer Arbeiten viele sehr berühmte Menschen kennen gelernt. Wie sehen Sie diese "Glitzerwelt" der Stars und Sternchen?
Als ganz normale Menschen.

Gibt es irgendjemanden, dessen Zusammenarbeit Sie als besonders aufregend oder inspirierend empfunden haben?
Kevin Costner, Helmut Schmidt und Nina Hagen.

Wie wichtig ist Ihnen die Zusammenarbeit mit Menschen?
Sehr wichtig. Ich wäre ein miserabler Still-Life Fotograf. Ich brauche den Austausch und das Gespräch.

Apropos Gespräch. Was kann ein Foto über einen Menschen aussagen?
Es kann Emotionen zeigen, Verletzbarkeit und Tiefe - die Persönlichkeit. Es sollte mehr zeigen als Klischee und Oberfläche.

Bevor Sie Fotografin wurden, haben Sie zehn Jahre als Fotomodel gearbeitet. Gerade diese Welt ist voll von Oberflächlichkeit. Was denken Sie heute darüber?
Es war wichtig zu reisen, viele Menschen zu treffen und weltoffener zu werden. Die ganze Oberfläche dieses Jobs hat mich auf Inhalte aufmerksam gemacht, die ich in dieser Zeit sehr vermisst habe. Jugend vergeht. An seinem Inneren zu arbeiten ist unser wahrer Job.

Was war Ihre eindruckvollste Erfahrung aus dieser Zeit?
Das Reisen.

Sie machen unter anderem auch Modefotografien. Welche Rolle spielt Mode in Ihrem Leben?
Keine große. Da ich eine große Brust habe, passe ich, Gott sei Dank, nicht in die Designer Klamotten, die fast nur für Magersüchtige gefertigt sind. Das spart viel Geld! Ich habe gerne sportliche gemütliche Sachen, die man gut kombinieren kann und die im Koffer nicht so verknüllen, also praktisch!

Gibt es einen Designer, den Sie besonders bewundern?
Wolfgang Joops Wunderkind-Kollektion.

Welche Rolle spielt die Mode in Ihren Fotografien?
Natürlich ist das ein nicht unwichtiges Thema, aber sie sollte nicht vom Menschen ablenken.

Sie arbeiten besonders gerne mit Frauen und Schauspielern. Was macht diese Vorlieben aus?
Sie sind biegsam und lassen Tiefe zu. Sie sind nicht so besorgt um ihr Image wie beispielsweise Politiker, die Angst haben, sie könnten zu viel über sich verraten.

Sie haben auch einige - wie ich finde - sehr schöne Erotikaufnahmen, unter anderem für den Playboy gemacht. Welche Ansichten haben Sie zu dem etwas heiklen Thema Erotik?
Nichts ist schwerer als einen Körper richtig auszuleuchten. Es ist eine große Herausforderung, Licht und Schatten zu setzen und das Ganze dann noch sinnlich und nicht verräterisch wirken zu lassen.

Was denken Sie sind die wichtigsten Erfahrungen, die Sie bisher aus Ihrer Arbeit gezogen haben?
An alles was man tut mit "Liebe" ran zu gehen und nicht mit dem Druck, Geld zu verdienen oder erfolgreich sein zu wollen.

Welche Ziele und Wünsche haben Sie für Ihre Zukunft?
Dass ich mich noch lange Zeit als "analoge" Fotografin halten kann, da ich Digitalität sehr austauschbar finde. Die analoge Fotografie sollte überleben neben der digitalen schnelllebigen Welt. Es gibt ja auch Video und 35mm Film. E-mails und Briefe. Klavier und Keyboard. Platten und CDs. Film, also der Fotofilm hat mehr Schmelz und es wäre sehr schade, wenn er ganz vom Markt verschwinden sollte. Privat wünsche ich mir ein Haus auf dem Land das autark und ökologisch gebaut ist, wo ich mit meinen Lieben und meinen Tieren wohnen kann, egal wo nur mit Weitblick.

Was würden Sie einem/r jungen Fotografen/in mit auf den Weg geben?
Just do it!